Er sagte, dass er aus Ulm kommt, komme, käme oder kommen würde ? — Mit dass eingeleitete indirekte Redewiedergabe (Teil 1) (2022)

Er sagte, dass er aus Ulm kommt, komme, käme oder kommen würde ? — Mit dass eingeleitete indirekte Redewiedergabe (Teil 1) (1)

Bitte fragen Sie mich etwas Leichteres, möchte man als Grammatiker antworten, denn eszeigt sich bald, dass die exemplarische Formulierung viel ausblendet, was einegrundsätzliche Klärung zu berücksichtigen hat. Selbst eine Antwort nur für den konkretenFall, gerät unweigerlich komplexer, als man vermuten könnte. Um nicht gleich alle Problemeauf einmal angehen zu müssen und so mehr zu verwirren als aufzuklären, wird die Titelfragedeshalb hier nicht rundweg als stellvertretend für alle Fragen aufgefasst, die imZusammenhang mit indirekter Redewiedergabe von Interesse sind. Betrachtet werden hier nurFälle, in denen festgestellt wird, dass eine 3. Person (er,sie, es, Herr Krause, meinBruder, ...) sagte (und nicht etwa sagt, gesagt hat oder gar meinte, erklärte,bestätigte, ...), dass dies und dies der Fall ist, sei, wäre, sein würde.

Was darüber hinaus generell zu beachten wäre, wird in zwei weiteren Textenbetrachtet:

  • Er behauptet, dass er dieLösung gefunden hat oder habe oder hätte? — mit dasseingeleitete indirekte Rede (Teil 2)
  • Sie sagt, er meint,meine oder meinte das nicht so ? —Indirekte Redewiedergabe mit Verbzweitsätzen

Was noch zu berücksichtigen wäre(Abschnitt ein-/ausblenden)

  • Welche Rolle spielen Person,Numerus und Tempus? Gilt, was auf er sagte zutrifft,gleichermaßen auch etwa für ich sagte, du sagst,wir haben gesagt?
  • Wie wirkt sich die Beziehung zwischen dem Adressaten der Originaläußerungund dem Wiedergebenden aus?
  • Die Originaläußerungen selbst können in verschiedenen Tempora (Zeitformen)gehalten sein. Wie wirkt sich ihr Tempus bei der Redewiedergabe aus?
  • Die Feststellung, dass jemand etwas sagte, erfasst dessenGesprächsbeitrag völlig neutral. Wirken sich weniger neutrale Beschreibungen– etwa: er behauptete, er meinte,er stellte fest, er unterstellte – aufdie Form der Redewiedergabe aus und, wenn ja, wie?
  • Gesagtes kann indirekt in Form eines dass-Satzes oder– unter Anpassung der Personalform: ich zuer/sie/es – in Form eines normalen Aussagesatzeserfolgen. Gelten für beide Formen durchweg dieselben Regeln?
  • Kann sich, sollte sich eine ausdrückliche Festlegung in derOriginaläußerung – etwa: Ich komme ganz bestimmt –auf die Form der Redewiedergabe auswirken?
  • Bei manchen Verben sind bestimmte Konjunktivformen nicht vonIndikativformen zu unterscheiden oder auch so ungewöhnlich, dass man sich scheut,auf sie zurückzugreifen. Wirkt sich dies auf den Sprachgebrauch aus?

Bevor man die Frage beantworten kann, ist zunächst zu klären, was überhaupt gefragtwird, denn tatsächlich kann es sich hierbei um eine von zwei Fragen handeln:

  • Wird die Frage von jemand gestellt, der den Originalwortlaut erschließenwill?
  • Wird sie von jemand gestellt, der etwas grammatisch korrekt wiedergeben will,das er zuvor gehört oder gelesen hat, und mithin den Originalwortlaut kennt?

Vom Hörensagen auf Gesagtes schließen

Wie könnte der Originalwortlaut zu den im Titel aufgeführten Formen der Redewiedergabegelautet haben? Zu beantworten ist diese Frage nur, wenn man sich von vorn herein daraufbeschränkt, Fälle zu betrachten, in denen der Originalwortlaut so getreu wie möglichwiedergegeben wird. Wollte man darüber hinaus auch nur sinngemäße Wiedergabenberücksichtigen und gar noch solche Fälle, in denen der Berichtende bereits Schlüsse aus demGesagten gezogen hat (etwa in dieser Art: "Er sagte damit auch, dass ..."), dann ist vongrammatischer Seite keine Antwort mehr zu erwarten.

Beschränkt man sich auf solche Fälle, in denen eine möglichst wortgetreue grammatischeUmsetzung vorgenommen werden soll, finden sich für die vier Formen kommt,komme, käme und würde kommen diesezwölf Kandidaten:

  1. Ich komme aus Ulm.
  2. Ich käme aus Ulm.
  3. Ich würde aus Ulmkommen.
  4. Du kommst aus Ulm.
  5. Du kämest aus Ulm
  6. Du würdest aus Ulmkommen.
  7. Sie kommen ausUlm.
  8. Sie kämen aus Ulm
  9. Sie würden aus Ulmkommen.
  10. Er kommt aus Ulm.
  11. Er käme aus Ulm.
  12. Er würde aus Ulmkommen.

Das Sie ist hier als Form der Anrede zu verstehen, nichtals Mehrzahl der 3. Person.

Anmerkung zur Anzahl möglicher Originaläußerungen(Abschnitt ein-/ausblenden)

Bemerkenswert ist hier auch, dass nur 12 Originaläußerungen in Frage kommen undnicht etwa 16. Im Fall der 1. Person – ich komme – undder Anredeform SieSie kommen – lässtsich dies damit erklären, dass sich hier Konjunktiv und Indikativ nicht unterscheiden. Bei der 2.Person - du kommest - und der 3. Person - er komme -trifft dies nicht zu, doch entsprechende Originaläußerungen hätten die Form Dukommest aus Ulm bzw. Er komme aus Ulm, wären alsoHeischesätze (Sätze im Heische-Modus in der Artvon "Das möge Gott verhüten!") und könnten als solche in indirekter Rede nicht in Formeines mit sagte eingeleiteten dass-Satzeswiedergegeben werden.

So weit, was den vier Formen der Redewiedergabeüberhaupt zugrunde gelegen haben könnte. Bleibt zu klären, was davon unter welchen Umständenwie wiedergegeben werden sollte. Auf die Regeln, die sich hierzu in einschlägigen Lehrwerkenfinden, sollte man sich dabei nicht blindlings verlassen, denn oft genug wurden diese ohnehinreichenden Überblick über die Faktoren erstellt, die den Sprachgebrauch bestimmen. Umähnlich vorschnelle Verallgemeinerungen zu vermeiden, sei deshalb zunächst versucht, aufbreiter Datenbasis zu erfassen, wie Rede faktisch wiedergegeben wird.

Wiedergegebenes – die Datenlage

Um festzustellen, was bei schriftlichen Äußerungen gängige Praxis ist, ein Blick auf denSprachgebrauch, wie er sich in den Textkorpora des Instituts fürDeutsche Sprache manifestiert. Für das Verb kommen ergab eineRecherche am 1. 12. 2008 diese Häufigkeitsverteilung:

RangAusdrucksformFrequenz
1.komme53
2.kommt14
3.käme12 (8)
4.kommen würde8 (1)

Anmerkung zum Suchverfahren(Abschnitt ein-/ausblenden)

Gesucht wurde hier und im Folgenden:

  • ausschließlich nach Formen der 3. Person Singular, weil sich zeigte, dass in Textennur für die 3. Person eine signifikante Anzahl von Belegen zu finden ist, und weilkaum anzunehmen ist, dass sich Einzahl und Mehrzahl in dieser Hinsichtunterscheiden,

und, aus rein praktischen Gründen,

  • lediglich nach Belegen, bei den der dass-Satz oder derdaß-Satz nicht weiter als drei Wörter von dem übergeordnetenVerb (sagte) entfernt ist.

Um den Verdacht auszuräumen, die Recherche könnte allzu grob erfolgt sein, seidarauf hingewiesen, dass die maschinell erhobenen Belege sorgfältig einzeln daraufhinüberprüft wurden, ob sie wirklich einschlägig sind.

Im Fall von komme und kommt kann eindeutig davonausgegangen werden, dass in der Originaläußerung ein kommt,kommst oder komme (als Form der 1. Person, nicht der3.) vorlag.

Bei käme und kommen würde hingegen musste zunächst derKontext ausgewertet werden, und selbst dann ließ sich nicht immer zweifelsfrei feststellen,wie die Originaläußerung gelautet haben könnte. Einiges spricht dafür, dass nur acht Belegenfür käme ein kommt zugrunde lag. Bei den vier weiterenBelegen spricht hingegen einiges dafür, dass bereits in der Originaläußerung einkäme vorlag, vielleicht auch ein kommen würde, was inder Redewiedergabe zwingend zu berücksichtigen war, denn ein Übergang zukommt oder komme hätte die wiederzugebende Informationunzulässig verändert.

Doch urteilen Sie selbst! Hier die insgesamt doch überschaubaren Fundstellen mitetwas Kontext:

Das Gericht sah es jedoch als erwiesen an, daß diePolizei das "Beweismittel" untergeschoben hatte. Taylor sagte gestern, daß die Höhe desSchadensersatzes für ihn als Schock käme. "Ich bin froh, daß die Gerechtigkeit gesiegthat", sagte er.
[die tageszeitung, 07.12.1989, S. 7]

Das Wirtschaftsministerium in Düsseldorf bestätigte, überdiese Pläne informiert zu sein. Der Geschäftsführer der Schnell-Brüter-Kraftwerksgesellschaft (SBK), Günther Theisen, sagte gestern der taz, daß "derReaktorblock selbst" für die Lagerung schwach radioaktiven Abfalls in Frage käme. Dochsei über ein Zwischenlager bisher lediglich allgemein im Rahmen künftig möglicherNutzungen für den Brüter diskutiert worden.
[die tageszeitung, 15.06.1991, S.4]

Außer Susanne und mir wussten nur deren Schwester undmeine damalige Freundin Suse Bescheid. Die sagte aber gleich, dass ein Fluchtversuch fürsie nicht infrage käme. Zweifelten Sie da nicht an Ihrem Fluchtplan?
[dietageszeitung, 11.06.2007, S. 28]

1997 XF11 hat etwa einen Durchmesser von 1,6 Kilometern.Der Asteroidenspezialist Jack Hills sagte, daß erstmals ein Objekt dieser Größe der Erdeso nahe käme. "Das ist der gefährlichste, den wir je gefundenhaben.
[Vorarlberger Nachrichten, 13.03.1998, S. D8]

Mehr Geld für die Österreich-Werbung, ein steuerlichesEntlastungspaket für Fremdenverkehrsbetriebe und eine "Qualitätsverbesserung auf allenEbenen des touristischen Angebots": Das sind die Rezepte, mit denen WirtschaftsministerJohannes Ditz die Tourismusflaute in den Griff bekommen will. Bei einer "AktuellenStunde" im Parlament sagte Ditz gestern allerdings, daß eine von derFremdenverkehrswirtschaft verlangte totale Abschaffung der Getränkesteuer derzeit wederfür die ÖVP noch für die SPÖ in Frage käme. Ditz wandte sich gegen ein "Krankjammern"des Fremdenverkehrs.
[Die Presse, 01.06.1995, Österreich-Werbung wirdaufgewertet]

Denn für den orthodoxen Juden gilt das Gebot, am siebtenTag der Schöpfung, dem Tag des jüdischen Gottesdienstes, jegliche Arbeit und allesschöpferische Tun - also auch das Orgelspiel - zu unterlassen. Das jüdische Frankfurtsei für seine Liberalität so bekannt, sagte Michaela Rychla, daß kaum ein Rabbiner gernehierher käme. Bei der Führung erfuhren die Teilnehmer auch einiges über die Geschichteder Synagoge.
[Frankfurter Rundschau, 01.04.1999, S. 6]

"Mein Kollege wurde angerufen und ihm wurde gesagt, dassbei der Firma Eberhard ein Unfall passiert sei. Dann rief man nochmals an und meinKollege sagte, dass er gleich käme. Beim dritten Anruf war klar, dass nur das Band lief- mein Kollege war ja schon unterwegs", schildert Pruckner den Ablauf.
[KleineZeitung, 17.11.1999, Betriebsunfall in St. Josef - der Arzt erschien abernicht]

Der Europarat sei in der derzeitigen Phase derdemokratischen Entwicklung Russlands die wichtigste Institution, sagte Jastrschembski.Moskau droht, dass im Falle eines Ausschlusses auch keine Ratsdelegation mehr nachTschetschenien käme. Die Parlamentarische Versammlung des Europarates wird Anfang Aprilerneut über Tschetschenien beraten.
[Berliner Zeitung, 18.03.2000, S.8]

SPD-Generalsekretär Franz Müntefering rechnet damit, dassdie Union CSU-Chef Edmund Stoiber zum Kanzlerkandidaten nominieren wird. Der "Welt"sagte er, dass der bayerische Ministerpräsident der SPD gelegen käme. "Ich kann michüber einen Kandidaten Stoiber nur freuen: Er wird die Mitte in Deutschland nichtbesetzen", so Müntefering.
[Berliner Zeitung, 17.08.2001, S. 5]

Dean warf den rumänischen Behörden vor, derUN-Administration UNMIK nicht alle Informationen zur Verfügung gestellt zu haben. DerSonderermittler sagte auch, dass ein Schadenersatz an die Hinterbliebenen der Opfer unddie beiden Verletzten in Frage käme.
[dpa, 17.04.2007, RumänischePolizisten haben zwei Demonstranten im Kosovo getötet]

Gefunden wurden insgesamt zwölf Belege, doch da bei dreien der Wortlaut und dieProbleme mit der Bewertung nahezu identisch waren, wurden zwei der Belege nicht eigensaufgeführt.

Im Fall von kommen würde kann bei sieben Fundstellen mit einigerSicherheit davon ausgegangen werden, dass in der Originaläußerung die Futurformkommen werde – als Form der 1. Person, nicht der 3. –oder kommen wird vorlag und nicht etwa eine Verwendung derwürde-Form als Konjunktiv-Ersatz.

Die Tendenz zur Konjunktiv-Präsens-Form, die sich hier zeigt, bestätigt sich eindeutig,wenn man neben komm- noch Belege zu Formen weiterer Verben inwiedergegebener Rede berücksichtigt:

RangAusdrucksformFrequenz
1.nehme12
1.nehmen würde3 (2)
3.nähme2
4.nimmt
RangAusdrucksformFrequenz
1.gehe30
2.geht13
3.gehen würde3
3.ginge3
RangAusdrucksformFrequenz
1.stehe42
2.steht7
3.stehen würde1
3.stünde1
RangAusdrucksformFrequenz
1.erwarte30
1.erwartet2
3.erwartete1
3erwarten würde1
RangAusdrucksformFrequenz
1.glaube4
2.glaubt3
3.glaubte0
3.glauben würde0
RangAusdrucksformFrequenz
1.könne415
2.könnte98 (64)
3.kann73
4.können würde1
RangAusdrucksformFrequenz
1.trage5
2.tragen würde1
3.trägt
3.trüge
RangAusdrucksformFrequenz
1.habe1834
2.hätte208 (98)
3.hat181
4.haben würde1 (1)
RangAusdrucksformFrequenz
1.sei2312
2.ist202
3.wäre99 (61)
4.sein würde10 (7)

Die Angaben in Klammern betreffen den Anteil an Belegen, die nicht sichereiner Indikativ-Form in der Originaläußerung zugeordnet werden können.

Insgesamt fanden sich bei diesen – natürlich nichtumfassenden, doch wohl einigermaßen repräsentativen – Recherchen nahezu zehn mal soviele Verwendungen des Konjunktiv Präsens wie Verwendungen des Indikativs. KonjunktivPräteritum wurden lediglich in knapp 4 % aller Belege eindeutig zur Wiedergabe einerIndikativform in der Originaläußerung gebraucht, und die umgangssprachlich häufiganzutreffende Ersatzform mit würde brachte es nicht einmal auf 0,3%.

Die vergleichsweise sehr geringe Präsenz von Konjunktiv-Präteritum-Formen dürfte bis zueinem gewissen Grad auch darauf zurückzuführen sein, dass diese Formen altertümlich und zumTeil sogar verschroben klingen, vor allem aber darauf, dass sie bei den sog. schwachen(auch: regelmäßigen) Verben gar nicht verfügbar sind. Da in solchen Fällen verbreitet derKonjunktiv Präsens als Alternative empfohlen wird, ist wohl davon auszugehen, dass mancheKonjunktiv-Präsens-Form "an sich" ein Fall für den Konjunktiv Präteritum wäre.

Wie Rede wiedergeben?

Ich komme aus Ulm

Nur, wenn in der Originaläußerung eine Indikativ Präsens Form vorliegt (Ichkomme, bin, habe ... , Du kommst, bist, hast ... oderEr/Sie/Es kommt, ist, hat, ...), sind prinzipiell alle vier Formen derWiedergabe möglich, wobei es sich dann allerdings nicht immer um einfache Varianten handelt,sondern zu berücksichtigen bleibt,

  1. wie der Wiedergebende selbst die Aussage einschätzt,
  2. ob die Redewiedergabe nur diese eine Aussage zum Gegenstand hat oderfortgeführt wird.

Sieht der Wiedergebende keinen Grund, an der Richtigkeit der Aussage zu zweifeln, kanner gleichermaßen die Indikativform er kommt oder die Konjunktivformer komme wählen, wobei letztere vorzuziehen ist, wenn dieRedewiedergabe noch fortgeführt werden soll, denn in diesem Fall dient die Konjunktiv-Formdazu, Anfang und Ende der Redewiedergabe kenntlich zu machen:

Er sagte, dass er aus Ulm komme. Ersei über drei Stunden unterwegs gewesen und habeeinen Bärenhunger.

Bei einer Wiedergabe im Indikativ

Er sagte, dass er aus Ulm kommt. Erist über drei Stunden unterwegs gewesen und hateinen Bärenhunger.

wären die auf kommt folgenden Sätze als Feststellungen des Sprechersselbst zu verstehen.

Legt man als Wiedergebender Wert darauf, ausdrücklich zu betonen, man lege sich nichtdarauf fest, dass die Originaläußerung sachlich zutreffend sei, kann man dieKonjunktiv-Präteritum-Form er käme oder die sog. Ersatzform erwürde kommen wählen, wobei letztere von manchen normbewussten Sprachteilhabernals weniger gelungen betrachtet wird. Wenn jemand in dieser Weise jede Festlegung auf dieRichtigkeit der Originaläußerung vermeidet, liegt der Verdacht nahe, dass er deren Zutreffenbezweifelt, doch auch darauf legt er sich durch die Wahl der Konjunktiv-Präteritum-Form so weit nicht eindeutig fest.

Ich käme aus Ulm

Bei der Wiedergabe von Ich käme aus Ulm ist zu bedenken, dass dieOriginalaussage auf zweierlei Weisen zu verstehen sein kann:

  1. Der Sprecher könnte, wie dies vor allem im Süden Deutschlands nicht unüblichist, die Konjunktiv-Präteritum-Form gewählt haben, weil er sich zurückhaltend ausdrückenwollte, ganz so wie man etwa auch sagen kann: "Ich wär' jetzt so weit!" statt zu sagen:"Ich bin jetzt so weit!"
  2. Die Äußerung könnte im Rahmen der Planung künftiger Handlungen, etwa einerReise, vorgebracht worden sein, vielleicht so: "Wir könnten das so machen: Ich käme ausUlm. Wir träfen uns gegen 10 Uhr in Augsburg und führen dann gemeinsam nachMünchen."

Ist die Äußerung auf die erste Weise zu verstehen, gilt dasselbe wie für ichkomme. Ist sie jedoch als bloße Überlegung zu verstehen, muss bei derWiedergabe zwingend entweder auch die Verbform gewählt werden, die in der Originaläußerungvorlag oder aber die Form würde kommen, wobei letztere vielfach als wenigergelungen betrachtet wird.

Ich würde aus Ulm kommen

Für den dritten Fall – Ich würde aus Ulm kommen – giltdasselbe wie für die Interpretation (ii) von Ich käme aus Ulm. EineInterpretation wie (i) bei Ich käme aus Ulm kann hingegen ausgeschlossenwerden.

Von Du kommst bis Er würde kommen

Die Fälle 4 bis 12 in der obigen Listescheinen auf den ersten Blick vielleicht etwas seltsam, sind aber durchaus nichtungewöhnlich. Schließlich muss nicht jeder, dessen Rede man – direkt oder indirekt– wiedergeben will, von sich selbst gesprochen haben. Er kann ebenso seinenGesprächspartner angesprochen (Du kommst ..., Sie kommen ...) oder voneiner dritten Person (Er kommt ... ) gesprochen haben. In diesen Fällenbezieht sich das er bei indirekter Redewiedergabe nicht auf den Sprecherder Originaläußerung, sondern eine weitere Person. Da es aber im Deutschen keinen Ausdruckfür eine 4. Person gibt, wird man dies nur erkennen, sofern man nicht den Überblick über diePersonen verloren hat, die gesprächsweise eingeführt wurden. Für die Wahl der Verbform imdass-Satz bleibt dies freilich ohne Belang: Für die Fälle 4, 7 und 10gilt insoweit dasselbe wie für ich komme, für die Fälle 5, 6, 8, 9, 11 und12 dasselbe wie für ich käme – einschließlich der Anmerkung zurVerwendung der würde-Form.

Fazit

  • Liegt in der Originaläußerung eine Indikativ-Form vor, ergeben sich für die Redewiedergabe dreiMöglichkeiten:
    • Da auf die wiedergegebene sprachliche Handlung selbst neutral mitsagte Bezug genommen wird, kann der Indikativ beibehaltenwerden, ohne dass sich der Sprecher oder Schreiber dadurch in der Sache demanschlösse, was die Originaläußerung besagte. Dies gilt jedoch nur für den Fall,dass die Wiedergabe auf einen Satz beschränkt bleibt. Sind mehrere Sätzewiederzugeben, wird schon der zweite als Originaläußerung des Sprechersverstanden werden, wenn er im Indikativ gehalten ist.
      Wie die Recherchein den Textkorpora des Instituts für Deutsche Sprache ergab, wird jedoch beischriftlicher Wiedergabe der Indikativ nur in etwa 9,5 % aller einschlägigenFälle bevorzugt. Bei mündlichen Äußerungen dürfte der Anteil des Indikativs umeiniges höher liegen, genaue Daten sind hierzu jedoch sehr schwer zuerheben.
    • Durchweg möglich und in der Wirkung – zumindest in Texten– meist neutral ist eine Wiedergabe mit Konjunktiv Präsens (erkomme, sie trage, es liege). Inden Textkorpora, die hier exemplarisch ausgewertet wurden, lag der Anteil dieserKonjunktivform bei etwa 90,5 %. Die Einschränkung auf "meist" ist erforderlich,weil diese Form bei so genannten schwachen (auch: regelmäßigen) Verben anstelleeiner nicht erkennbaren Konjunktiv-Präteritum-Form verwendet werden kann, umeben das zu leisten, was sonst mit dieser Form zu erreichen ist. Bei mündlichenÄußerungen ist jedoch damit zu rechnen, dass die Verwendung derKonjunktiv-Präsens-Form in informellen, eher alltäglichen Kontexten als"gehoben" und insofern etwas gestelzt wirken kann.
    • Aus rein grammatischer Sicht völlig korrekt ist auch die Verwendungder Konjunktiv-Präteritum-Form, doch diese wirkt nur dann völlig neutral, wennsie erkennbar eine ebensolche Form in der Originaläußerung wieder aufnimmt. Istdies nicht der Fall, kann sie – zu recht oder zu unrecht, das hat man alsSprecher oder Schreiber nicht unter Kontrolle – als Distanzierung desWiedergebenden vom Wiedergegebenen betrachtet werden. Er geht damit nicht soweit, das Wiedergegebene als sachlich unzutreffend darzustellen, doch er stelltausdrücklich fest, dass dieses nicht als erwiesen zu betrachten ist. Es ist vorallem dieses ausdrückliche Feststellen, das bei der Redewiedergabe denUnterschied zwischen Indikativ Form, Konjunktiv-Präteritum-Form undKonjunktiv-Präsens-Form ausmacht, denn zu einer Festlegung auf die sachlicheRichtigkeit des Wiedergegebenen kommt es in keinem Fall.
    • Insgesamt kann festgehalten werden, dass man als Sprecher oderSchreiber nie daneben liegt, wenn man die Form des Konjunktiv Präsens wählt, umeine Indikativ-Form in indirekter Rede wiederzugeben.
  • Aus Wiedergegebenem die Originaläußerungen zu rekonstruieren ist ganzeinfach, wenn
    1. das Subjekt des dass-Satzes die Form einer Nominalphrase oder einer Pronominalphrase (etwa dieMannschaft, das alte Gebäude, die gesamteBelegschaft, dieselbe, jenes,dieser) hat, sofern letztere nicht geradeer, sie oder es lautet
    2. das Verb des dass-Satzes entweder im Indikativ oderim Konjunktiv Präsens gehalten ist.

Das Verb in der Originaläußerung kann unter diesen Voraussetzungen nur imIndikativ gehalten gewesen sein. So ist zum Beispiel, ausgehend von

Die Sprecherin des Regierungspräsidiums sagte, dass einAbriss des denkmalgeschützten Hofes nicht zulässig ist/sei.

als Originaläußerung eindeutig zu erschließen:

Ein Abriss des denkmalgeschützten Hofes ist nichtzulässig.

  • Schwieriger kann sich die Aufgabe gestalten, wenn
    1. das Subjekt des dass-Satzes er,sie oder es lautet,
    oder
    1. das Verb des dass-Satzes im Konjunktiv Präteritumgehalten ist.
    Im Fall (c) kann er, sie oderes in der Originaläußerung sechs verschiedene Entsprechungen haben:ich, Du, Sie,er, sie und es. Erst die Auswertungdes Kontextes ermöglicht hier die Bestimmung der korrekten Entsprechung.
    ImFall (d) könnte dem Konjunktiv Präteritum in der Originaläußerung ein Indikativ oder einKonjunktiv Präteritum entsprochen haben. Auch hier hilft meist eine Auswertung desKontextes weiter, doch diese kann sich unter Umständen sehr viel schwieriger erweisenund manchmal doch nicht hinreichen, weil es dabei nicht genügt, genau darauf zu achten,welche Personen bereits gesprächsweise eingeführt wurden, sondern auch noch allgemeinesWeltwissen und spezielles Hintergrundwissen über die Sprecher bzw. der Schreiber derOriginaläußerung und der Wiedergabe erforderlich werden können.

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Author: Carlyn Walter

Last Updated: 10/07/2022

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Name: Carlyn Walter

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Job: Manufacturing Technician

Hobby: Table tennis, Archery, Vacation, Metal detecting, Yo-yoing, Crocheting, Creative writing

Introduction: My name is Carlyn Walter, I am a lively, glamorous, healthy, clean, powerful, calm, combative person who loves writing and wants to share my knowledge and understanding with you.